Luxette - Schriftzug

Historische Kameraindustrie in Zirndorf

Über die Cimatic D88 bin ich zunächst auf dem bekannten virtuellen Flohmarkt gestolpert. Der Verkäufer hatte geschrieben, die 8mm Schmalfilmkamera stamme aus Fürth. Eine kleine Recherche brachte schnell zu Tage, dass es sich vielmehr um einen Hersteller aus Zirndorf handelte: Die heute nicht mehr existierende Metallwarenfabrik Georg Zimmermann. Eine schöne und wertig anmutende Metallkamera (Guß) mit Hammerschlag-Optik, vermutlich von 1958. Das Objektiv (weswegen ich ursprünglich überhaupt einige Gedanken an Schmalfilmkameras »verschwendete«) ist ein Steinheil Culminon 1,9 / 13 mm. Offenbar konnte der kleine Hersteller sich nicht lange am Markt halten, dazu waren wohl die fotografische, bzw. filmische Produktpalette zu klein und die Konkurrenz (z.B. durch die Eugen Bauer GmbH) zu groß.

Ähnliches dürfte auf die Amateurkameras zutreffen, die Zimmermann unter dem schönen Namen »Luxette«, bzw. etwas pragmatischer als »44 S« ab 1954 herstellte und vertrieb. Kameras für 127er Film, die immerhin in den 50ern mal etwa 30 DM kosteten. Die vergleichsweise schlichten Blechkameras sind mit Objektiven von Roeschlein aus Kreuznach bestückt: Cymat 1:7,7/50 mm.
Stefan Roeschlein war ehemaliger Mitarbeiter von Schneider Kreuznach, später wurde die Firma Roeschlein von der heutigen Sill Optics in Schwabach übernommen. Mittels »Synchro-Cylux«-Verschluß wurden 4×4 cm große Negative auf den 127er Rollfilm belichtet. Den kann man sich heutzutage aus dem breiteren 120er selbst schneiden oder inzwischen wieder fertig konfektioniert kaufen
 


Im städtischen Museum Zirndorf gab es 2012 eine Ausstellung zur Metallwarenfabrik Georg Zimmer­mann. Georg Zimmermann gründete die Firma 1880. Der Fabrikant wurde zum Kommerzienrat ernannt – laut städtischem Museum Zirndorf wegen seines ausgeprägten sozialen Engagements. Liest man den Artikel des Kollegen Peter Kunz über einen Vortrag des Heimatforschers Klaus Übler, drängt sich aller­dings der Verdacht auf, dass es mit dem Engagement nicht so weit her war (zumindest nicht, was die eigenen Arbeiter betraf). Neben etwas Blechspielzeug fertigte die Firma wohl allerlei Tand und Nippes, häufig ist von einem großen Sortiment Spardosen, bzw. -büchsen die Rede. Die Kamera­pro­duk­tion mach­te allem Anschein nach nur einen geringen Anteil am Firmenportfolio aus. Der Betrieb wurde 1972 eingestellt, die Gebäude, bis auf die Fabrikantenvilla (Nürnberger Straße), 1990 abgerissen (auf dem Gelände findet man jetzt ein Einkaufszentrum).
 

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