Cristina hat Angst vor bärtigen Männern

Frän­ki­scher Kon­voi nach Ora­dea

Frankenkonvoi

Fran­ken­kon­voi


Mei­ne zwei­te Fahrt für den Fran­ken­kon­voi – Toms #19 – al­les klar?
Wir bre­chen nach Ora­dea (deutsch: Groß­ward­ein, un­ga­risch: Na­gy­vá­rad, slo­wa­kisch: Veľký Va­ra­dín) in Ru­mä­ni­en auf. Es geht dies­mal nicht um Flücht­lin­ge, son­dern wir leis­ten mit der Fahrt lo­gis­ti­sche Un­ter­stüt­zung für Hu­ma­ni­tas Cha­ri­ty, ei­ne »be­freun­de­te« bri­ti­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on und de­ren »Safe Ho­mes« – Pro­jekt.
Soll hei­ßen, wir brin­gen drin­gend be­nö­tig­te Hilfs­gü­ter, Spen­den und me­di­zi­ni­sche Aus­rüs­tung nach Tin­ca, et­wa 40 km süd­lich von Ora­dea. Dort ver­sucht die Or­ga­ni­sa­ti­on, Kin­dern ein lie­be­vol­les Zu­hau­se und ei­ne kind­ge­rech­te Um­ge­bung zu er­mög­li­chen. Au­ßer­dem ha­ben uns Ra­miz und Sa­rah Wa­de (die In­itia­to­ren von Hu­ma­ni­tas) ge­be­ten, Fo­tos von den Kin­dern und der Ar­beit vor Ort zu ma­chen.
 
Tom fotografiert Florentina

Tom fo­to­gra­fiert Flo­ren­ti­na


 
In Ora­dea war ich zu­letzt vor fast 10 Jah­ren. Seit­dem hat sich Ei­ni­ges ge­tan und die Stadt be­zeich­net sich nicht zu Un­recht als »Haupt­stadt des Ju­gend­stils«. Der be­geg­net ei­nem frei­lich hier über­wie­gend in sei­ner un­ga­ri­schen Aus­prä­gung. Hier wird mit Ver­stand und wohl ei­ni­gem fi­nan­zi­el­len Auf­wand be­hut­sam sa­niert und ge­baut.
 

Mei­ne per­sön­li­che To-Do-List für Ora­dea: Be­such der Pas­sa­ge »Zum schwar­zen Ad­ler«, der neu re­no­vier­ten Syn­ago­ge und des Bier­gar­tens »Zum Gol­de­nen Fass«. Da­zu kommt ein abend­li­cher Spa­zier­gang durch die be­leb­te Fuß­gän­ger­zo­ne, u.a. zum Ein­gang des Ho­tel Park, wo Al­mut und ich bei un­se­rem letz­ten Auf­ent­halt in Ora­dea über­nach­te­ten. Das – und vie­les an­de­re – wird zwar ge­ra­de re­no­viert, aber Ora­dea ist trotz­dem un­be­dingt ei­ne Rei­se wert. Wer jetzt drin­gend ge­nau dort­hin rei­sen möch­te, wen­de sich doch bit­te an den Fran­ken­kon­voi (am bes­ten auf die Face­book-Sei­te schau­en) und wir ma­chen vor­her das Au­to voll mit Din­gen, die in Tin­ca ge­braucht wer­den.
 
Tom packt aus...

Tom packt aus...


Einkaufswagen für ca. 100€

Ein­kaufs­wa­gen für ca. 100€


Wir lu­den un­se­ren Bus mit Hilfs­gü­tern gleich nach der An­kunft in der Land­ge­mein­de ca. 40 km süd­lich von Ora­dea (na­he der Gren­ze zum Kreis Arad) aus. Nach­dem wir uns von der Fahrt (im­mer­hin et­wa 11 Stun­den rei­ne Fahrt­zeit) er­holt hat­ten und mit­hil­fe der Spen­den­gel­der des Fran­ken­kon­voi ei­nen Ein­kauf in ei­nem ört­li­chen fran­zö­si­schen Su­per­markt ab­sol­vier­ten, be­gan­nen wir tags dar­auf mit dem span­nen­den Teil die­ser Rei­se. Der Ver­such, die Kin­der zu por­trai­tie­ren, die Ar­beit des »Safe Home«-Projekts zu do­ku­men­tie­ren und die da­mit ver­bun­de­ne Kon­takt­auf­nah­me zu den Kin­dern und Be­treu­ern ge­hör­ten si­cher zu den sel­te­nen wirk­li­chen Hö­he­punk­ten un­se­res Fo­to­gra­fen­le­bens. Je­nes spielt sich lei­der all­zu oft in ei­ner bun­ten Schein­welt ab, der ich glück­li­cher­wei­se nach der Quel­le-Plei­te ent­rin­nen konn­te und aus der auch Tom sich durch den Fran­ken­kon­voi zu­rück­ge­zo­gen hat.
 
 
Gruppenbild

Grup­pen­bild


In den bei­den Ein­fa­mi­li­en­häu­sern in Tin­ca le­ben stän­dig 10 – 12 Kin­der mit ver­schie­dens­ten Ein­schrän­kun­gen, teil­wei­se mehr­fa­chen Be­hin­de­run­gen. Wei­te­re 18 Kin­der le­ben in der Um­ge­bung bei Pfle­ge­fa­mi­li­en. Vie­le Ro­ma­kin­der. Es tut gut zu se­hen, wie zwei Bri­ten und ei­ne Hand­voll Ru­mä­nen jen­seits von sonst in der Ge­sell­schaft Ru­mä­ni­ens (und na­tür­lich nicht nur dort) ver­brei­te­ter Res­sen­ti­ments mit den Teen­agern um­ge­hen. De­ren Ge­schich­ten sind frei­lich z.T. der­art un­fass­bar, daß man schnell auf den schlam­mi­gen Bo­den be­stimm­ter Vier­tel ru­mä­ni­scher Ort­schaf­ten zu­rück­ge­holt wird. So er­zählt Mo­ni­ca z.B. von der al­ko­hol­ab­hän­gi­gen Mut­ter, die, be­trun­ken ver­mut­lich wäh­rend Zeu­gung, Schwan­ger­schaft und Ge­burt von Dia­na, die­se ge­nau­so nennt, wie die zu­vor ge­bo­re­ne äl­te­re Schwes­ter. Um­so er­staun­li­cher, wel­che Fort­schrit­te und Er­fol­ge die Crew um Mo­ni­ca, Sa­rah und Ra­miz er­zielt.
 
Diana hat Sprachunterricht bei Helena, der Psychologin und Logopädin des Teams

Dia­na hat Sprach­un­ter­richt bei He­le­na, der Psy­cho­lo­gin und Lo­go­pä­din des Teams


Dia­nas Sprach- bzw. Sprech­un­ter­richt wür­de auch mir gut tun – das ru­mä­ni­sche pâi­ne (für Brot) ist schwer aus­zu­spre­chen für den Durschnitts­fran­ken. Man­che der Kin­der konn­ten tat­säch­lich et­wa so we­nig Ru­mä­nisch wie ich, als man sie fand. Es hat ver­mut­lich nicht all­zu lan­ge ge­dau­ert, bis sie es bes­ser konn­ten. So wie auch Vio­rel, der Jun­ge mit dem Ro­nal­do-Shirt, der trotz Be­hin­de­rung er­staun­lich gut Fuß­ball oder Tisch­ten­nis spielt und der in FC Bar­ce­lo­na-Bett­wä­sche schläft. Oder Flo­ren­ti­na und An­d­rei, die im­mer la­chen – nicht nur, wenn sie ei­ne Ka­me­ra se­hen.
 
Mein per­sön­li­ches High­light war, die Be­kannt­schaft von Cris­ti­na ge­macht zu ha­ben. Das Ro­ma-Mäd­chen mit Au­tis­mus und et­was, das He­le­na, die Psy­cho­lo­gin, »Dro­mo­ma­nia« nennt, hat ei­gent­lich Angst vor Män­nern mit Bär­ten, be­ginnt aber ir­gend­wann nach mei­nen Haa­ren zu grei­fen und lä­chelt in die Ka­me­ra...
 

(1) Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. ei­ne wun­der­schö­ne Fahrt auch dank mei­nes tol­len »Mit­fah­rers« und Freun­des 😉 Es war wie­der ein­mal bit­ters­weet dem Pro­jekt der Freun­de un­ter die Ar­me zu grei­fen und ganz si­cher erst der An­fang, ei­ner lan­gen »Be­zie­hung«.
    Herz­li­chen Dank, lie­ber Ro­bert für al­les. Dei­ne Un­ter­stüt­zung, un­se­re Freund­schaft und dei­ne Ar­beit be­deu­ten mir sehr viel

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